Junge Leute ins Theater!Randy Diamond über Herausforderungen, Musicals und „High Society“ Seit seiner Doppelrolle in „Ludus Danielis“ als Könige Belsazar und Darius ist der bundesweit erfolgreiche Sänger und Tänzer Randy Diamond auch in Kaiserslautern bekannt. Ab 24. Oktober spielt er den Dexter Heaven in „High Society“ am Pfalztheater und er macht gleichzeitig die Choreographie für das Swing-Musical mit Witz, Charme und unsterblichen Evergreens. Sein Wunsch: viele junge Leute, die sich das Musical ansehen. INSiDER: Was ist der Unterschied zwischen „nur“ auf der Bühne stehen und spielen und gleichzeitig Choreographie machen? Randy Diamond: „Wenn man selbst in dem Stück drin ist als Darsteller, kann man in der Regel nicht gleichzeitig choreographieren. Ich darf das nur machen, weil ich schon in Regensburg die Inszenierung gespielt habe und damit jetzt hier den Kopf frei habe, um die Choreographie zu machen.“ Du machst zunehmend mehr Choreographien. Es scheint doch dein zweites Standbein zu werden. „Ich habe das nie so geplant. Ich war ein Tänzer und dann bin ich in Musicals rein gesprungen. Ich wollte immer nur auf der Bühne stehen als Darsteller, an Choreographie habe ich keinen Gedanken verschwendet. Bob Fosse (amerikanischer Choreograph, der viele Broadway-Produktionen gemacht hat) oder solche Leute - ich kenne deren Arbeit und weiß, dass ich mich diesem Level nie annähern kann. Dann kam vor einem Jahr die Anfrage aus Zürich für „Jesus Christ Superstar“. Meine Antwort: „Ich habe kein Interesse, nein Danke!“ Ich solle es probieren, sagte man - und okay, ich habe doch zugesagt. Wegen eigener Termine habe ich nie eine Vorstellung gesehen. Es wurde aber gut über meine Arbeit gesprochen und geschrieben. Dann kam die Zusage aus Regensburg für „Der kleine Horrorladen“ von Johannes Reitmeier. Schon davor in „High Society“ in Regensburg hat er mich darum gebeten, ein oder zwei Sachen zu machen. Dann war die Choreographie aber eigentlich für mich abgeschlossen.“ Kam das Angebot aus Kaiserslautern jetzt überraschend? „Ja schon etwas, aber wenn dir so eine Angebot in dein Schoß fällt, kann man nicht nein sagen. Man wäre dumm. Ich habe schon etwas Angst, obwohl ich sehr lange getanzt habe. Ein Tänzer zu sein, ist immer noch etwas anderes als ein Choreograph. Als Tänzer sagt man dir, was du tun musst. Als Choreograph musst du selbst Ideen entwickeln. Durch die gute bisherige Zusammenarbeit traut mir Reitmeier zu, dass ich das für das Stück gut machen kann. Ich hoffe, dass sein Glauben in mich bestätigt wird.“ Du hast Jekyll & Hyde gespielt, den lasterhaften König Belsazar – alle ein wenig „schräge“ Typen. Dexter Heaven ist da das genaue Gegenteil. Was ist daran die Herausforderung? „Die Herausforderung ist genau das. So vielfältig zu sein, wie man kann. Einen Tag spielst du ein Monster und am nächsten Tag so einen ganz „cleanen“ Typen. Es ist die Herausforderung selbst, dass man verschiedene Rollen spielen darf, und wenn du Glück hast, sogar ganz extreme. Das ist, was es für mich so spannend macht. Es gibt andere Darsteller, die täglich diesen En-Suite-Produktion wie zum Beispiel „Cats“ oder „König der Löwen“ spielen. Es ist ein Jahr lang jeden Tag das gleiche, was du da machst. Da würde ich verrückt werden. Wahrscheinlich würden die mich rausschmeißen, weil ich nach einer Woche versuchen würde, etwas Neues zu entwickeln. In diesen Theatern darf man das nicht tun. Du passt in eine Form und da musst du die ganze Zeit drin bleiben. Wenn man freischaffend, so wie ich arbeite, hat man die Möglichkeit, in einem Jahr vielleicht drei, vier oder fünf verschiedene Rollen immer abwechselnd zu spielen. Das macht Spaß.“ Und wenn je ein Angebot von einer großen Musicalproduktion käme – würdest du es ablehnen? „Wenn es Jekyll & Hyde wäre, nein. Das würde ich gerne annehmen. Andere Rollen… nein, gar nicht, Null. Es spielt zurzeit kein Musical in diesen Theatern, das ich unbedingt machen will.“ Jetzt gibt es erst einmal „High Society“ Worum geht es in dem Stück? „Die Geschichte spielt da, wo die ganz, ganz, ganz Reichen leben. Es gibt mehrere kleine Geschichten. Meine Rolle ist die des Dexter Heaven, geschieden. Sie war zickig, er hat getrunken. Also sind die beiden nicht miteinander ausgekommen, obwohl sie sich lieben. Jetzt will sie wieder heiraten und er weiß, dass der Mann überhaupt nicht zu ihr passt. Dexter hat viel dazugelernt, trinkt nicht mehr und hat sein Selbstbewusstsein gefunden. Er liebt diese Frau und weiß, dass er zu ihr gehört. Es ist dieser Kampf, ihr zu zeigen, dass er eigentlich der Richtige für sie ist.“ Was ist für dich das Besondere an „High Society“? „Ich liebe die Musik von Cole Porter. Wenn du junge Leute fragst, wer Cole Porter ist, haben die keine Ahnung. Das ist schade. Wenn du ihnen ein Lied vorsingst, sagen sie: „Oh, die neue Musik von Robbie Williams!“ Aber es ist gut, dass Robbie Williams das gemacht hat. Es zeigt jungen Menschen, dass es auch andere Musik gibt. Ich selbst mag es, diese Zeit zu spielen. Es ist wie gesagt, diese Herausforderung. Das alles ist in mir drin. Die böse aber auch die gute Seite, hoffe ich. Da kann ich mit allen Persönlichkeiten, die in mir stecken, spielen. Die andere Sache ist für mich ein großer Lernprozess und ich bin Johannes Reitmeier dankbar, dass er mir diese Chance gibt. Ich lerne viel von ihm und das ist das erste Mal, dass ich ernsthaft mit einer professionellen Ballettgruppe und einem großen Chor Choreographie mache. Das ist eine große Chance und gigantisch für mich.“ Ludus Danielis hat viele junge Leute ins Pfalztheater gebracht. Meinst du, es kommen wegen dir auch jetzt wieder welche? „Das will ich hoffen. Ich würde mich so freuen, wenn viele junge Leute kommen würden und ein breiten Horizont haben, das zu genießen. Wenn man ehrlich ist, und nicht nur dem folgt, was alle mögen, wenn man sich öffnet, wird man sehen, wie schön diese Musik ist. Dazu die schönen Geschichten, aber trotzdem tiefsinnig, weil es um Beziehungen geht. Sie werden es nicht bereuen.“ Interview: Petra Rödler für Magazin INSiDER, Oktober 2009
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