Mit Talent und LeidenschaftMusical-Sänger Randy Diamond lebt seinen Traum Sein Name klingt wie geschaffen für einen Musical-Star: Randy Diamond. Doch es ist kein Künstlername. Es ist der Name eines Mannes, der seinen Kindheitstraum zur Wirklichkeit gemacht hat. Zurzeit steht er im Pfalztheater in dem bundesweit Beachtung findenden Rockoratorium "Ludus Danielis" auf der Bühne, als lasterhafter König Belsazar und ehrenhafter Perserkönig Darius. Du bist in Amerika geboren und aufgewachsen. Wie bist du nach Deutschland gekommen? Randy Diamond: Mit dem Flugzeug! Im Ernst: Als ich zwölf Jahre alt war, haben mich meine Eltern – ich komme aus New Jersey – zu einer Vorstellung des Stuttgarter Balletts, das in Amerika auf Tournee war, mitgenommen. Ich wollte nicht mit, weil ich es langweilig fand. Ich hatte vorher nie Ballett gesehen, aber ich war von dem, was ich gesehen habe, sehr beeindruckt. Ein oder zwei Wochen später, ich saß im Auto, dreht sich mein Vater an einer roten Ampel zu mir um und fragte mich: „Willst du Ballett machen?“ Ich antwortete: „Ja, ich würde gerne Ballett machen, aber ich werde es nicht machen, weil mich meine Freunde auslachen werden!“ Aber er hatte mich schon bei einer Ballettschule angemeldet. Also beschloss ich, es wenigstens mal auszuprobieren. Seit dieser Zeit hat mich das Tanzen nicht mehr losgelassen. War das der Beginn deines Traumes? Randy Diamond: Mein Traum war es von Anfang an, seit ich das Stuttgarter Ballett gesehen habe, mit diesem Ensemble zu tanzen. Und das war halt zufällig in Deutschland. Also habe ich in New York studiert und auch in New York für das Stuttgarter Ensemble vorgetanzt. Und sie haben mich mitgenommen. So bin ich nach Deutschland gekommen. Hast du gleich im Stuttgarter Ballett getanzt? Randy Diamond: Nein, ich war erst eineinhalb Jahre auf der Ballettschule. Dann habe ich wieder vorgetanzt und sie haben mich engagiert. Danach war ich eine lange Zeit in Stuttgart. Ich war erst im Corps de Ballet (Ballettgruppe), dann war ich Hauptsolist und dann erster Solist. Ein Großteil meiner Ballettkarriere war ich in Stuttgart. Du stehst heute als Sänger auf der Bühne. Wie kamst du vom Ballett zum Singen? Randy Diamond: Da ich aus New Jersey komme, ist meine Familie alle Monate nach New York zu einer Broadwayshow gefahren. Das hat mich als Kind schon beeindruckt. Das Singen war immer ein heimlicher Traum von mir, aber ich war zu schüchtern. Bin ich immer noch schüchtern? Das glaubst du gar nicht, oder? Ich hatte keine Angst vor Leuten zu tanzen, aber vor Publikum zu singen, das konnte ich mir nie vorstellen. Aber ich habe das Singen immer geliebt, tatsächlich gesungen habe ich aber immer nur in der Dusche. Wer oder was hat dich doch auf der Bühne zum Singen gebracht? Randy Diamond: Im Stuttgarter Ballett haben wir ein Musical mit 65 Tänzern gemacht. Der Regisseur kam und hat die Leute aus der Ballett-Compagny ausgewählt für die einzelnen Rollen. Ich habe vorgesungen und hatte anschließend die Hauptrolle in „On Your Toes“. Das war 1991 und die Erstaufführung dieses Musicals in Deutschland. Ungewöhnlich für Stuttgart. Andere Theater oder Theater-Compagnies machen Musicals, aber Stuttgart hat nie so etwas gemacht. Das war das erste Mal und ich hatte die Hauptrolle. Danach bin ich noch im Ballett geblieben bis mein Körper nicht mehr konnte und ich das Tanzen aufgeben musste. War dieser Umbruch schwierig für dich? Randy Diamond: Das ist für jeden Balletttänzer schwierig. Viele wissen nicht, was sie nach ihrer Karriere machen sollen. Man fängt ganz jung an und man denkt nicht an das „Danach“. Jeder Tänzer weiß es, verdrängt diesen Moment aber. Meine Ballettkarriere war plötzlich zu Ende. Ich habe danach ein paar Monate nichts gemacht bis ein ehemaliger Ballettkollege auf mich zukam. Er war inzwischen Direktor am Braunschweiger Ballett. „Hey Randy, ich erinnere mich noch, wie gut du unter der Dusche gesungen hast, und ich weiß, dass du Musicals machst und wie gut du auf der Bühne bist!“ Er fragte mich, ob ich nach Braunschweig kommen wollte. Also bin ich da hingefahren, habe für „Jesus Christ Superstar“ vorgesungen und die Hauptrolle bekommen. Das war der Anfang meiner Karriere als Musicaldarsteller. Ich bin einfach gesprungen. Ich habe keine Ausbildung und nichts. Inzwischen ist es hier in Kaiserslautern deine dritte Produktion. Was reizt dich am Pfalztheater? Randy Diamond: Als ich das erste Mal hier her kam – das war für „Jesus Christ Superstar“ – da kannte ich keinen. Heute sage ich: „Es ist Johannes Reitmeier!“ Er an erster Stelle, weil ich es liebe, mit ihm zu arbeiten. Er ist cool, ist enthusiastisch, er bringt gute Stimmung und er lässt den Künstlern viel Freiheit. Ich mag es mit ihm zu arbeiten. Aber ich muss auch sagen, dass es mir die Kollegen, am Anfang Andy (Kuntz) und Astrid (Vosberg), hier leicht gemacht haben. Die sind alle Klasse und ich fühle mich inzwischen hier wie zuhause. Du hast schon so viele Produktionen gemacht. Gibt es Unterschiede von Stadt zu Stadt? Randy Diamond: Es ist immer anders. Jedes Theater hat eine andere Art von Publikum. Zum Beispiel: es gibt ein Stück, da hörst du während der Vorstellung keinen großen Applaus und am Ende gibt es einen großen Applaus. Es kann aber auch anders sein. Das Publikum reagiert oft während der Show und am Ende ist der Applaus so lala. Es gibt aber auch beides. Manchmal sind die Leute auch gelangweilt. Das hängt mit der Produktion zusammen. Ich habe „Jesus Christ“ in verschiedenen Theatern gesungen und es war immer unterschiedlich. Jedes Publikum ist anders. Kannst du das Kaiserslauterer Publikum beschreiben? Randy Diamond: Kaiserslautern ist mehr ein Publikum, das gerne schaut und weniger reagiert. Das ist aber auch gut so. Bei „Ludus Danielis“ kann der Zwischenapplaus auch stören, weil es keine großen Pausen zwischen den einzelnen Songs gibt. Die Leute hören zu, genießen die Musik und am Ende stehen sie auf und schreien. Das ist ein gutes Publikum, das mir gefällt. „Ludus Danielis“ wird in der lateinischen Originalsprache aufgeführt. War das schwer für dich zu lernen? Randy Diamond: Ich war am Anfang gar nicht sicher, dass es in lateinischer Sprache gesungen wird. Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, als mich Herr Reitmeier gefragt hat. Er hat gesagt: „Ich habe dieses Stück und ich möchte, dass du mitmachst!“ Ich erinnere mich nicht daran, dass er gesagt hat, dass es auf lateinisch ist. Vielleicht hat er es gesagt, ich weiß es nicht mehr. Ich dachte auch, dass es eine ganz kleine Rolle ist, die ich spielen soll. Im ersten Akt eine Nummer, im zweiten Akt eine Nummer und das war´s. Okay, es ist anders geworden. Als das Pfalztheater den Text gemailt hat, war ich nicht zuhause. Meine Frau rief mich an und sie fragte mich, ob ich die good News oder die schlechte News zuerst hören wolle. Erst die schlechte, sagte ich. „Es ist alles in lateinischer Sprache!“ Es gab auch eine gute Nachricht, an die ich mich nicht mehr erinnere, aber ich weiß noch, es war viel Text und alles auf Latein. Da war ich erst mal schockiert. Wie hast du den Text gelernt und wie hast du dir die Lieder erarbeitet? Randy Diamond: Ich bin für die Theatertage nach Kaiserslautern gekommen, wo ich zwei Lieder aus „Ludus Danielis“ singen sollte. Ich war noch nicht gleich drin, aber ich war dabei. Es ging viel über das Hören. Da ich keine Noten lesen kann, muss ich vom Hören lernen. Normalerweise bekomme ich dazu ein Playback. Hier hatte ich am Anfang aber nichts in der Hand. Also hatte ich Panik. Latein war egal. Es hätte auch Chinesisch oder eine andere Sprache sein können, von der ich keine Ahnung habe. Meine Lösung: Ich habe einen Termin mit Günter Werno (Komponist von „Ludus Danielis“) ausgemacht. Wir haben uns ein paar Mal in Kaiserslautern getroffen. Er hat für mich Playback gespielt und dazu gesungen. So hatte ich schnell eine Vorstellung davon, was ich zu tun hatte. So habe ich meine beiden Rollen gelernt, was doch schwierig war, weil während der Probephasen immer wieder Textveränderungen dazukamen. Es war ein phonetisches Lernen, ohne zu wissen, was es bedeutet. Eine ganz unterschiedliche Herangehensweise an den Text. Andy Kuntz hat es auch erst auswendig gelernt, während Astrid Vosberg erst wissen musste, was der Text bedeutet, bevor sie ihn singen konnte. Wie hast du den Text gelernt? Randy Diamond: Ich habe erst alles gelernt. Ich will erst die Schwierigkeiten hinter mir haben. Was sind die Noten? Was sind die Worte? Wann kommt welches Wort zu welcher Note? Dann erst habe ich Satz für Satz gelesen, was der Text bedeutet. Wobei ich auch dazusagen muss, dass ich beim Singen nicht jedes Wort lerne. Ich erinnere mich nicht daran, was jedes Wort bedeutet. Ich habe meine Idee, was ich sagen möchte und mit dieser Vorstellung singe ich dann, und hoffe, dass dann bei manchen Stichworten oder Punkten die Bedeutung rüber kommt ins Publikum. Hast du an den Erfolg von „Ludus Danielis“ geglaubt? Randy Diamond: Erst einmal habe ich „Mittelaltermusik“ gehört, das war beim ersten Gespräch mit Reitmeier. Da ich aber bis dahin schon zwei Mal mit ihm gearbeitet habe, habe ich ihm vertraut. Es ist schön, auch neue Stücke und Weltpremieren zu machen. Ich war aber nicht so begeistert von dieser „alten“ Musik, aber habe gedacht, lass es uns sehen. Als ich dann aber mit Werno zum ersten Mal die Musik gehört habe, war ich begeistert. Was mich noch gereizt hat, waren die zwei Rollen – im ersten Akt dieser verrückte König und im zweiten Akt ein ganz anderer Typ. Das ist schon eine Herausforderung. Du kommst nur für die Produktionen nach Kaiserslautern, wohnst in Stuttgart. Ist das nicht stressig? Randy Diamond: Stressig finde ich es nur manchmal. Zurzeit habe ich noch andere Produktionen gleichzeitig, unter anderem in Innsbruck „Jesus Christ Superstar“. Meine nächste Produktion ist in Regensburg mit Johannes Reitmeier, „Die oberen Zehntausend“. Manchmal fahre ich mit dem Auto, oft mit dem Zug. Fliegen kommt seltener vor, weil mir das Risiko zu groß ist, dass ein Flug ausfällt, wenn ich am selben Tag noch eine Vorstellung habe. Nächsten Monat habe ich einen Termin in Monte Carlo. Da werde ich fliegen. Ich nutze die Zugreisen, um meinen Text zu lernen, weil ich zuhause nicht die Konzentration dazu habe. Da gibt es zu viele andere Dinge, die ich machen möchte. Im Zug kann man nur schlafen oder lernen. Das ist sehr praktisch. Welche Träume hast du noch? Randy Diamond: Mein größter Traum war „Jekyll & Hyde“ zu spielen. Das habe ich inzwischen in Chemnitz gemacht. Was ich noch nicht gemacht habe, war Frankenfurter in der „Rocky Horror Picture Show“. Das würde ich gerne machen. Ich würde auch gerne den Jean Valjean in "Le Misérables" spielen. Besonders reizen mich auch Stücke, neue Originale, die noch nicht gemacht wurden. Das ist auch eine echte Herausforderung. Was macht das besondere des Berufes aus? Ist es der Applaus? Was treibt dich an? Randy Diamond: Ich glaube, es ist weniger der Applaus. Es steckt in jemandem drin. Als ich Schüler war, konnte ich schon nicht still sein. Das hat meine Lehrerin schon bemängelt. Ich kann nicht still sitzen. Ich muss immer in Bewegung sein. Wenn ich was im Fernsehen oder bei den Broadwayshows gesehen habe, bin ich danach rum gesprungen, habe getanzt und gesungen. Deswegen kam mein Vater auf die Idee mit der Ballettschule. Ich war immer der Jüngste in der Familie und ich brauchte Aufmerksamkeit. Vielleicht war das in meinem Unterbewusstsein immer drin und ich hatte das Glück, gleichzeitig die Begabung für Tanz und Gesang zu haben. So bin ich heute in der glücklichen Situation, dass ich nicht sagen könnte, was ich lieber machen würde. Also ist es dein Traumberuf? Randy Diamond: Mein Job ist sehr hart. Man sieht nur das Resultat von den stundenlangen Proben. Ich habe immer zu tun. Text lernen, Gesangsübungen, Ideen weiter entwickeln. So ist für mich ein Stück auch nicht mit der Premiere fertig. Für mich ist das ein Anfang. Es entwickelt sich und man macht sich immer Gedanken, was man anders oder besser machen kann. Man arbeitet immer im Kopf und auch mit dem Körper. Aber es ist mein Traumberuf. Und ich bin glücklich, dass ich davon leben kann. Ich hatte das Glück, diese Talente zu haben. Meine Ballettzeit hilft mir dabei enorm. Ich kann durch meinen beweglichen Körper Akzente setzen, oder einfach drehen oder gut stehen. Ich habe ein sehr gutes Körpergefühl. Und dann diese Produktionen, auch hier mit den Leuten und Reitmeier. Ein Traum! Interview und Fotos: Petra Rödler für Linie eins Kaiserslautern, Januar 2008.
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